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Vertragsprüfung mit Copilot: die fünf riskantesten Formulierungen finden

Autorenbild: David Schneeberger
David Schneeberger
25. Aug.
5 Min. Lesezeit

Eine brave Gesamtzusammenfassung hilft selten weiter. Wer Copilot gezielt auf die kritischen Klauseln ansetzt, bekommt eine Antwort, die tatsächlich zum Handeln anleitet.

Ausgedruckter, mit gelben Markierungen versehener Vertrag neben einem geöffneten Notebook

Ein Vertrag mit dreissig Seiten landet auf dem Tisch, die Gegenseite drängt auf Unterzeichnung, die Zeit ist knapp. Die naheliegende Reaktion ist, Copilot um eine Zusammenfassung zu bitten. Das Ergebnis ist meist solide, aber wenig hilfreich für die eigentliche Entscheidung: Es fasst zusammen, was im Vertrag steht, ohne zu gewichten, was davon tatsächlich gefährlich ist. Genau diese Gewichtung ist es, die eine Vertragsprüfung unter Zeitdruck wertvoll macht.

Warum die allgemeine Zusammenfassung zu wenig leistet

Eine Zusammenfassung behandelt tendenziell alle Klauseln gleich wichtig, weil sie dem Auftrag folgt, den Inhalt wiederzugeben, nicht ihn zu bewerten. Für eine erste Orientierung mag das reichen. Für eine Entscheidung, ob ein Vertrag in dieser Form unterschrieben werden kann, reicht es nicht, weil die entscheidende Frage nicht lautet, was im Vertrag steht, sondern welche der vielen Klauseln tatsächlich ein Risiko für die eigene Organisation darstellen.

Diese Verschiebung, von der Wiedergabe zur Bewertung, muss im Prompt ausdrücklich verlangt werden. Ohne diese Vorgabe bleibt Copilot bei der neutralen Beschreibung, die zwar korrekt, aber für eine rasche Entscheidung zu wenig zugespitzt ist.

Der gezielte Auftrag

Schlechter Prompt:

Fasse diesen Vertrag zusammen.

Besserer Prompt:

Zeige mir die fünf riskantesten Formulierungen in diesem Vertrag aus Sicht unserer Organisation. Begründe für jede Formulierung kurz, worin das Risiko besteht, und schlage eine mögliche Anpassung vor. Ordne die fünf Punkte nach Dringlichkeit.

Dieser Prompt verlangt explizit eine Perspektive, aus Sicht unserer Organisation, und eine feste Anzahl, fünf Formulierungen, statt eine offene, potenziell endlose Liste. Diese Begrenzung zwingt das System, tatsächlich zu priorisieren, statt jede noch so kleine Auffälligkeit aufzuzählen, was in der Praxis zu einer deutlich handlungsleitenderen Antwort führt.

Warum die Perspektive den Unterschied macht

Dieselbe Vertragsklausel kann für die eine Partei unproblematisch und für die andere hochriskant sein. Eine Haftungsbegrenzung, die aus Sicht des Verkäufers vorteilhaft ist, stellt aus Sicht des Käufers ein Risiko dar. Ohne die explizite Vorgabe einer Perspektive weiss Copilot nicht, aus wessen Blickwinkel es urteilen soll, und liefert im Zweifel eine neutrale Einschätzung, die für keine der beiden Seiten wirklich brauchbar ist.

Wer die eigene Rolle im Vertrag im Prompt klar benennt, erhält eine Einschätzung, die sich unmittelbar auf die eigene Interessenlage bezieht. Diese kleine Präzisierung im Prompt, oft nur wenige Worte, verändert die Brauchbarkeit der Antwort erheblich und ist einer der am einfachsten umzusetzenden Verbesserungen im Umgang mit Copilot.

Wie man mit dem Ergebnis weiterarbeitet

Die fünf identifizierten Formulierungen sind der Ausgangspunkt, nicht das Endergebnis. Jede davon verdient eine eigene, vertiefte Prüfung, bei der Copilot als Diskussionspartner dienen kann: Welche Alternativformulierung wäre für die eigene Organisation günstiger? Welche Verhandlungsargumente lassen sich dafür anführen? Diese vertiefte Auseinandersetzung mit einer bereits eingegrenzten Auswahl ist deutlich effizienter, als den gesamten Vertrag Klausel für Klausel manuell durchzugehen.

Ein bewährtes Vorgehen besteht darin, die fünf Punkte direkt im Dokument zu markieren und mit den Vorschlägen von Copilot als Kommentar zu versehen, sodass die spätere Verhandlung mit der Gegenseite auf einer bereits strukturierten Grundlage aufbaut, statt bei null zu beginnen.

Grenzen dieser Methode

Die Fünf-Formulierungen-Methode ersetzt keine vollständige juristische Prüfung. Sie ist ein Filter, der unter Zeitdruck die dringendsten Punkte identifiziert, keine abschliessende Aussage darüber, dass der restliche Vertrag unproblematisch ist. Wer diese Methode als vollständige Prüfung missversteht, läuft Gefahr, tatsächlich relevante, aber weniger offensichtliche Risiken zu übersehen, die ausserhalb der fünf am stärksten hervorstechenden Klauseln liegen.

In der Praxis eignet sich die Methode deshalb besonders für die erste Sichtung unter Zeitdruck, gefolgt von einer vollständigen Prüfung, sobald mehr Zeit zur Verfügung steht. Diese zweistufige Vorgehensweise verbindet die Geschwindigkeit der gezielten Abfrage mit der Gründlichkeit einer klassischen Vertragsprüfung.

Ein Beispiel aus der Praxis mit Zahlen

Ein Rechtsdienst, der monatlich zwanzig Verträge unter Zeitdruck prüfen muss, kann sich die klassische Vollprüfung jedes einzelnen Vertrags schlicht nicht leisten. Die Fünf-Formulierungen-Methode schafft hier einen praktikablen Mittelweg: Sie liefert innerhalb weniger Minuten eine belastbare erste Einschätzung, auf deren Grundlage entschieden werden kann, ob ein Vertrag unproblematisch ist, eine vertiefte Prüfung braucht, oder sogar sofort eskaliert werden sollte. Diese abgestufte Reaktion wäre ohne eine solche schnelle Vorsortierung kaum systematisch umsetzbar, weil die Kapazität für eine vollständige Prüfung jedes einzelnen Vertrags in der Praxis meist fehlt.

Wer diese Methode über mehrere Monate konsequent anwendet, gewinnt zudem einen wertvollen Nebeneffekt: Er erkennt mit der Zeit Muster darüber, welche Klauseltypen bei welchen Vertragspartnern besonders häufig zu den fünf riskantesten Formulierungen zählen. Dieses Erfahrungswissen lässt sich für künftige Verhandlungen nutzen, etwa indem problematische Klauseltypen von vornherein in den eigenen Vertragsentwürfen vermieden werden, was die Zahl der überhaupt erst nötigen Prüfungen mit der Zeit reduziert.

Der Unterschied zu einer reinen Risikoklausel-Suche

Die Methode unterscheidet sich von einer simplen Stichwortsuche nach bekannten Risikoklauseln, etwa nach dem Begriff Haftungsausschluss. Eine solche Suche findet nur, wonach explizit gesucht wird, und übersieht neuartige oder unüblich formulierte Risiken, die nicht dem erwarteten Muster entsprechen. Die Fünf-Formulierungen-Methode arbeitet stattdessen kontextbezogen: Sie bewertet jede Klausel im Licht des gesamten Vertrags und der angegebenen Perspektive, was auch unerwartete, auf den ersten Blick unauffällige Risiken sichtbar machen kann, die eine reine Stichwortsuche systematisch übersehen würde.

Diese kontextbezogene Arbeitsweise ist zugleich der Grund, warum die Methode bei jedem neuen Vertrag erneut angewendet werden muss, statt einmal erlernte Ergebnisse einfach zu übertragen. Jeder Vertrag hat eine eigene Kombination aus Klauseln, Parteien und Zielsetzungen, und genau diese Kombination bestimmt, welche fünf Formulierungen im konkreten Fall tatsächlich die riskantesten sind.

Die Rolle der Verhandlungserfahrung

Mit wachsender Erfahrung lässt sich der Prompt weiter verfeinern, indem man Copilot zusätzlich bittet, die identifizierten Risiken mit Erfahrungswerten aus vergleichbaren, bereits erfolgreich verhandelten Verträgen zu vergleichen, sofern solche als Referenz vorliegen. Diese Erweiterung setzt voraus, dass frühere Verträge und deren Verhandlungsergebnisse dokumentiert und für Copilot zugänglich gemacht wurden, was sich in vielen Rechtsdiensten erst mit der Zeit als Nebenprodukt der laufenden Arbeit aufbaut. Wo eine solche Referenzbasis existiert, wird die Methode noch treffsicherer, weil sie nicht nur abstrakt riskante Formulierungen erkennt, sondern auch einschätzen kann, wie stark eine bestimmte Formulierung von der in der eigenen Praxis üblichen Fassung abweicht.

Diese vergleichende Komponente lässt sich nicht von Anfang an erwarten, sondern entwickelt sich als natürliche Weiterentwicklung, sobald ein Rechtsdienst über einen längeren Zeitraum consistent mit derselben Methode arbeitet und dabei systematisch Referenzmaterial aufbaut, auf das künftige Prüfungen zurückgreifen können.

Der Zusammenhang mit der eigenen Vertragsgestaltung

Wer über längere Zeit systematisch die riskantesten Formulierungen in eingehenden Verträgen identifiziert, gewinnt zwangsläufig auch Erkenntnisse für die eigene Vertragsgestaltung. Klauseltypen, die bei Verträgen der Gegenseite immer wieder als riskant auffallen, lassen sich in den eigenen Vertragsvorlagen von vornherein präziser und eindeutiger formulieren, um genau jene Unklarheiten zu vermeiden, die man bei anderen Verträgen so oft beanstandet hat. Dieser Rückfluss von Erkenntnissen aus der Prüftätigkeit in die eigene Vertragsredaktion ist ein wertvoller, aber oft ungenutzter Nebeneffekt konsequenter Vertragsprüfung.

Aus Sicht unserer Organisation, mit Begründung und Priorisierung: Diese Zusätze verwandeln eine neutrale Zusammenfassung in eine handlungsleitende Einschätzung.

Wer Copilot gezielt auf die riskantesten Punkte ansetzt, statt eine allgemeine Zusammenfassung zu verlangen, gewinnt in wenigen Minuten eine Grundlage, die sonst Stunden manueller Durchsicht gebraucht hätte, ohne dabei die eigene fachliche Prüfung zu ersetzen.

Copilot anhand konkreter juristischer Aufgaben einsetzen

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